Mit Sicherheit 2

Die Meinungen gehen weit auseinander: Die einen sagen, der Securpharm Server liefe überhaupt noch nicht. Die anderen sagen, ihre Software liefere beim Gegenscannen – also dem ultimativen Sicherheitscheck – immer nur grün und blau, aber niemals rot, so dass keine weiteren Maßnahmen erforderlich sind. Wieder andere behaupten, der Ticketserver, bei dem man die unfassbaren Mengen an Verdachtsfällen auf gefälschte Arzneimittel hinterlegen soll, den gebe es noch gar nicht. Ich jedenfalls vergesse besonders bei der Abholung bestellter Medikamente regelmäßig den Gegenscan, so dass ich laut rufend hinter den Kunden her renne, um dann festzustellen, dass gerade dieses Medikament den neuen Code noch nicht aufweist. Wahlweise ist er nicht lesbar. Manchmal ist er lesbar, aber nur dahingehend, dass meine Software die Warengruppe ändert und ich statt Kassenrezept auf einmal Bonbons im Vorgang habe. Sie verstehen das alles nicht? Trösten Sie sich – ich auch nicht!

Mit Sicherheit

Am 9. Februar startet Securpharm. Das wird toll. Alle Probleme mit der Arzneimittelsicherheit, die uns der Gesetzgeber selbst eingebrockt hat, indem er Importe als ultimative Sparmaßnahme nicht nur zuließ, sondern durch Zwangsmaßnahmen förderte, werden jetzt auf Kosten der Apotheker gelöst. Gut, in den Apotheken sind bisher kaum Fälschungen aufgetaucht und ob andere Vertriebskanäle die Arzneimittel bei der Abgabe wirklich verifizieren, nachdem sie sich gegen eine stramme Gebühr eine Registrierung gegönnt, ihre Scanner erneuert und für tausende Euro ihre Software angepasst haben – das halte ich für eher unwahrscheinlich. Wir haben hingegen keine Wahl, es heißt friss oder stirb. Aber wir sind ja nicht allein, ganz Europa macht mit! Ganz Europa? Ach nein, ausgerechnet die beiden Länder, aus denen die bisher entdeckten Fälschungen stammten, nämlich Griechenland und Italien, die machen noch nicht mit. Ein Witz, das Ganze! Aber für mich ganz persönlich ein richtig teurer Witz!

Ein fantastisches Jahr

2018 war super! Meine Präqualifizierung lief ab und musste erneuert werden, mit diversen sinnlosen Fotos, Raumplänen und seitenweisen Fragebögen. Dann kam die Amtsapothekerin und drehte kurz den Laden auf links,  ohne große Beanstandungen, aber unter Zerrüttung meiner Nerven. Danach meldeten sich die Sozialversicherer zwecks Überprüfung. Diese Veranstaltung fand glücklicherweise beim Steuerberater statt. Und als wäre das alles noch nicht genug, stand unverhofft das Hauptzollamt in der Apotheke, um Schwarzarbeit zu verhindern. Na klar, neben dem Bau- und Gastgewerbe sind ja Apotheken als Hochburg der Schwarzarbeit weithin bekannt! Wie die heilige Inquisition fielen sie über meine Mitarbeiterinnen her, die nicht wussten, wie ihnen geschah. Und dabei hatten wir  noch Glück: Im letzten Jahr waren wohl die Friseure dran, bei denen kamen sie bewaffnet!

Wenn der Manager spart!

Wir sind bereit! Also fast. Von uns aus kann die Grippewelle zwar sofort losrollen, die Winterbevorratung mit Hustensäften, Grippetabletten, Schnupfensprays und Inhalationsflüssigkeiten ist eingeräumt, bei Aspirin complex klafft allerdings eine Lücke, denn die Weltfirma Bayer kann leider nicht liefern. Das gab es schon bei  ihren Produkten Bepanthen Augen- und Nasensalbe, bei Phytohustil Saft und bei Talcid. Unglaublich! Was auch immer die Ursachen im Einzelnen gewesen sein mögen, will ich gar nicht wissen, denn meine Meinung dazu  steht sowieso fest: Wo die oberschlauen BWLer das Sagen haben, da geht eben öfter mal was schief. Wo von just-in-time gefaselt wird, die Produktion in ein noch unfassbar billigeres Ausland verlagert wird, wo ich Wirkstoff in ganz weit Fortistan kaufe, da darf ich mich nicht wundern: Die Verlagerung war doch nicht so ganz unproblematisch, der Wirkstoff hat doch nicht so ganz die gewünschte Qualität und just-in-time funktioniert auch nur, wenn nicht plötzlich eine Maschine alle viere von sich streckt. Da hat sich ja wohl jemand ganz gepflegt gleich mehrfach verkalkuliert. Herzlichen Glückwunsch an dieser Stelle und freundliche Grüße von den Mitbewerbern – bei denen fliegen wahrscheinlich die Sektkorken!

Zumutungen

Die Apothekentür darf nicht offen stehen – warum, ist mir entfallen. Die Eichung der Waagen muss mit einem riesigen Zeitvorlauf angemeldet werden – geht aber online, was super ist, denn online funktioniert ja immer alles und ist auch ganz einfach. Teemischungen kann man nicht mehr anfertigen – es sei denn, man habe auch sonst die Neigung, hinaus auf die Straße zu gehen und Geld zu verteilen. Für die Herstellung von Salicylvaseline soll ich auf meine Approbierte warten, damit sie mir beim Wiegen zuschaut – gut, ich fertige seit 25 Jahren Rezepturen an und habe Pharmazie studiert, aber besser isses bestimmt! Im Internet tauchen, was für eine Überraschung! Wer hätte damit rechnen können!, Arzneimittelfälschungen auf, also kaufe ich für tausend Euro neue Scanner und neue Software – und banne damit Gefahren, die man mittels der Einführung des Versandhandels erst möglich gemacht. Auf der Internetseite  muss der Hinweis auf die Teilnahme oder Nichtteilnahme am Schlichtungsverfahren stehen – Abmahnanwälte freuen sich auf ganz neue Möglichkeiten der Abzocke. Und der Datenschutz erst! Herrlich – der Apotheker häuft stapelweise Papier an, aber auf der Kundeneinwilligungserklärung ist irgendeine Formulierung nicht so ganz…..schon rollt der Rubel!  Schilddrüsenhormone dürfen nicht ausgetauscht werden – im Notdienst erklärt man dem Patienten, dass er nun eben ohne auskommen muss. Aparterweise sollte sie bei Einführung der Rabattverträge ohne Rücksicht auf Verluste zwangsweise ausgetauscht werden. Macht ja nichts! Die Pandemievorräte für die nicht eingetroffene weltweite Grippewelle stehen nicht als im Weg herum – aber ganz sicher schlägt da noch die Stunde des Einsatzes! Alle elektrischen Geräte müssen überprüft sein, aber das kann unser Feld-Wald-Wiesenelektriker nicht – ein Spezialist muss her, wahrscheinlich mit irgendeinem Zertifikat. Der Betriebsarzt moniert unsere Handtücher in der Toilette – da muss, ganz und gar nachhaltig, Papier her, damit sich nicht die Pest ausbreitet. Versehentlich trank ich aus der benutzten  Kaffeetasse meiner PKA, von daher ist diesbezüglich sowieso schon alles zu spät. Vorschriften, Vorschriften, Vorschriften……

Datenschutz

Ich kann Sie beruhigen: Ihre Daten sind ab sofort sicher! Denn jetzt hat sich die bundesdeutsche Apothekerschaft mit gewohnter Gründlichkeit – oder vielleicht besser: mit gewohntem überbordendem Bürokratiefanatismus – der Sache angenommen. War nicht schon in der untergegangenen DDR die Übererfüllung des Solls das Maß aller Dinge? Wohin das führte, wissen wir. Zunächst habe ich jedenfalls auf Geheiß meines Steuerberaters meinen Mitarbeiterinnen mitgeteilt, dass ich ihre Kontodaten habe. Da war was los! Überraschung bis blankes Entsetzen! Aber alles war dann auch gleich wieder gut, weil ich schriftlich niedergelegt habe, dass ich diese Daten nicht missbrauchen werde. War meine seit zwanzig Jahren für mich arbeitende Chefhelferin erleichtert! Unter Tränen gestand sie, dass sie so eine merkwürdige Abbuchung auf ihrem Konto hatte und ihr doch der Gedanke kam, ich habe vielleicht….aber nein: Es war dann doch eine Abbuchung des vertrauenswürdigen Onlineshops „Ich-weiss-alles-über-dich.de“, bei dem sie ein entzückendes geblümtes Sommerkleid erstanden hatte. Alles gut!

Schikane

Was so ein Apotheker den ganzen Tag macht? Medikamente abgeben sollte man meinen…aber das ist nur die halbe Wahrheit. Im Moment jedenfalls verbringe ich meine knappe Zeit damit, meine Präqualifizierungsgenehmigung zu verlängern, damit ich auch in Zukunft beispielsweise Kompressionsstrümpfe anmessen darf. Dazu fotografiere ich ein Waschbecken. Und einen Spiegel. Und eine Liege. Um diese Fotos dann nebst allen möglichen Formularen, Nachweisen und Bescheinigungen einer Präqualifizierungsstelle vorzulegen, die dann entscheidet, ob ich nach dreißig Jahren erfolgreichen Anmessens von Strümpfen dies auch weiterhin zu Lasten der Krankenkassen tun darf. Was das soll? Fragen Sie Ihren Krankenkassenfunktionär oder einen Vertreter unseres Berufsverbandes.

Die Nase läuft!

Schon geht´s wieder los! Husten, Schnupfen, Heiserkeit aller Orten. Frustrierte Mütter und Väter stellen fest, dass ihr Sprössling  zwar einen Kindergartenplatz hat, aber ihn die Hälfte der Zeit wegen einer ausgeprägten Rotznase nicht nutzen kann. In öffentlichen Verkehrsmittel stehen Viren und Bakterien in Hab Acht Stellung und bereit zur Attacke auf frierende Reisende. Die erste Erkältungswelle rafft zeitweise  halbe Schulklassen dahin und die ebenfalls vor sich hin schniefenden Lehrer fragen sich, wie sie bis Weihnachten den geplanten Stoff schaffen sollen. Aber das ist alles nicht das Schlimmste! Viel schlimmer ist, dass ich selbst, seit gefühlten zwanzig Jahren erkältungsfrei, huste und schnupfe. So ein Mist, ich dachte, ich sei resistent. Einmal zuviel mit meinem vorzüglichen Immunsystem angegeben…

Home again

Jetzt gibt es wieder Urlaubsgeschichten zu hören! Wer an welchen spektakulären Zielen seine Ferien verbracht hat, wer quasi postwendend unter zu Hilfenahme irgendwie gefärbter Engel wegen Krankheit gleich wieder retour reisen musste und wer es einfach nur irgendwo so richtig schön hatte. Auch von verhinderten Urlaubern ist die Rede, die erst gar nicht losfahren konnten, die einen berufsbedingt, die anderen, weil der hoffnungsvolle Sprössling auf dem Kinderspielplatz die Rutsche nicht hinunter rutschen, sondern surfen wollte und dabei schmerzhaften Schiffbruch erlitt. Komplizierte An- und Abreisepläne der  einzelnen Familienmitglieder galt es zu sortieren und welchen organisatorischen Aufwand es kostete, eine zwanzigköpfige Verwandschaft mit schulpflichtigen Kindern aus verschiedenen Bundesländern zum Zwecke eines runden Geburtstags eine Woche lang an der Ostsee in einem geeigneten Ferienhaus zu versammeln, das mag sich jeder selbst ausmalen…..Ich fahre nächste Woche und mache bis dahin um Rutschen vorsichtshalber einen Bogen!

Sommerferien

Endlich Ferien! Auch wenn man keine schulpflichtigen Kinder hat, merkt man das: Die Kunden kommen später, haben eine Schar gelangweilter oder total überdrehter Kinder im Schlepptau, morgens braucht man mit dem Auto nur halb so lange zur Arbeit. im Supermarkt ist es in der Mittagszeit ganz und gar leer, weil keine obercoolen Oberstufenschüler sich irgendeinen Snack kaufen und am Mittwochnachmittag kommt kein Mensch. Eine Praxis nach der anderen macht Ferien und wir schlagen uns mit tablettenlosen Stammkunden herum, die ratlos vor verschlossener Tür standen. Jetzt ist Zeit für alles, was man im restlichen Jahr nicht schafft! Aber ehrlich – bei dreißig Grad und wenn alle anderen faulenzen? Dann holen wir uns doch lieber ein Eis und machen klitzekleine Ferien in der Apotheke.