Leitbilder 2

Ist das alles wirklich wahr? Dieser mehrstufige Prozess mit kompliziertem Login, überbordendem Datenschutz, Fragen, die die Antwort schon in sich tragen, Diskussionsrunden mit „geschulten Moderatoren“ – wahrscheinlich gelernte Schwätzer – Konvents und Abstimmungen und was weiß ich noch alles. So ein Schwachsinn!!! Warum sagt es niemand? Warum haben die Flachpfeifen, die sich mit solchem Unsinn wichtig machen wollen, nicht mal Gegenwind?Überflüssig wie ein Kropf ist das ganze Unternehmen, Übelkeit verursachender bürokratischer Blödsinn, sonst rein gar nichts!!

Wunder

Man sollte niemals damit aufhören, an Wunder zu glauben. Auch in hohem Alter kann dem Einsamen noch die Frau oder der Mann  des Lebens unverhofft über den Weg laufen, plötzlich wird vom Gesetzgeber die für Jahrzehnte unverzichtbare Ausstattung des Apothekenlabors zurechtgestutzt  und dann gibt es noch Kunden, die nach einem heftigen Disput tatsächlich selbst merken, dass sie geringfügig über ihr Ziel hinweggeschossen sind. Und nicht nur das: Nachdem man sich darüber geeinigt hat, wie denn nun mit den ungewollten und ungeliebten Augentropfen des rabattvertragsgeschuldeten Herstellers verfahren wird, kommt es zu einer niemals erwarteten und menschliche Größe beweisenden Entschuldigung ob des wüsten Tonfalls, in dem uns – zudem unberechtigte – Vorwürfe gemacht wurden. So eine Freude an einem regnerischen Tag!

Praktikanten

Praktikanten zu haben ist schön! Wer die Botengänge macht, muss nicht mehr ausdiskutiert werden, an wem das Stempeln der Kundenzeitschriften hängen bleibt ist auch klar und das Kaffeekochen ist sowieso als die klassische Praktikantentätigkeit schlechthin allgemein anerkannt. Daneben aber ist es wunderbar, junge Leute um sich zu haben. Neueste Mode- und Schminktrends werden vorgeführt, woraus ich unlängst erfuhr, dass der Lidstrich mit katzenartigem Schlenker nach oben offensichtlich eine Renaissance erlebt. Schade, jetzt bin ich altersweitsichtig und zu so filigraner Arbeit nicht mehr fähig. Außerdem entdeckt man neu, wie faszinierend die Herstellung einer Rezeptur oder einer Teemischung sein kann, wenn jemand dies zum ersten Mal macht. Wo Licht ist, ist aber natürlich auch Schatten und so sägen die Praktikanten auch gerne mal an unseren Nerven herum – vorzugsweise durch Desinteresse und Unlust, manchmal aber auch durch pure Unfähigkeit. Meist geht das alles miteinander einher. So sprach der aller-, allerbeste Schulpraktikant, als er Kuchen für die Kaffeepause einkaufen sollte, dafür sei er ja wohl nicht zuständig. Watt?

Rabattverträge

Wer sich das ausgedacht hat, sollte belangt werden! Wieder sind gestern zwei Kunden brummelnd davon gezogen, weil sie ein anderes als das gewünschte Fabrikat erhalten sollten. „Woanders bekomme ich das!“ werfen sie mir, die ich mich doch so gerne gesetzeskonform verhalten möchte, vor die Füsse. Wieso sind wir eigentlich immer die Deppen? Vielleicht, weil wir uns jeden Schwachsinn gefallen lassen? Keinen Mumm haben? Nicht geschlossen auftreten? Eine Standesführung haben, die…aber ich möchte nicht unflätig werden. Bleibt die Frage, was zu tun ist. Immer pharmazeutische Bedenken geltend machen? Was anderes abgeben als taxieren? Stark bleiben und eine Regelung vertreten, die ich selber als unglaublich borniert, an der Praxis vorbei, zu kompliziert und Bestechungen Tür und Tor öffnend empfinde? Wäre ich ein mittelständischer Pharmahersteller, würde ich mich nachts im Dunkeln mit einem Köfferchen in der Hand zum Hause eines Krankenkassenvorstands begeben! Und ich wette, genau so oder ähnlich läuft das! Aber das darf man ja nicht laut sagen.

Rezepturen

Wenn man morgens zur Türe hereinkommt und sieht sie schon liegen, die Rezepte mit den Zetteln darauf, auf denen Uhrzeiten vermerkt sind: fertig bis 13 Uhr! Dann weiß man, was die Stunde geschlagen hat, die Stunde der Rezepturen. Heute lagen an: Eine Nagelweichsalbe, die gefühlt zu 100% aus Harnstoff besteht, Propranololkapseln für einen Säugling (immer wieder spannend) und eine weitere Salbenmischung. Los gehts! Das überkochende Wasserbad haut die Sicherung raus, die Propranololmenge rechne ich wie immer dreimal nach und schaue beim Wiegen aber ganz genau auf die Waage, die letzte Rezeptur macht sich wie von selbst. Etikettenbeschriftung und Taxierung delegiere ich und darüber, wie viel ich jetzt für den Spaß der Krankenkasse in Rechnung stellen kann, denke ich gar nicht nach. Wozu sich gewaltsam den Tag verderben?

Leitbilder

Wir haben als Apotheker keine anderen Sorgen als die Erstellung eines Leitbildes – meinen jedenfalls unsere Standesoberen. Die Margen sinken, die bürokratischen Auflagen steigen ins unermessliche, der Versandhandel gräbt uns das Wasser ab…aber ein Leitbild muss her! Prinzipiell wäre ich ja noch bereit, daran unter Aufbietung all meiner Kräfte mitzuarbeiten, aber dann kam die Anleitung zur Mitarbeit von der Apothekerkammer Nordrhein. Mehrere Seiten mit speziellem Login und Riesenpalaver.  Auf Seite zwei verließ mich die Lust schlagartig. Muss eigentlich jeder Schwachsinn so aufgebläht werden? Haben wir nichts Produktiveres zu tun? Also ich schon, ich gehe jetzt bedienen! Und zwar so freundlich und kompetent, wie ich nur kann und dann bin ich mein eigenes Leitbild…

Was macht mein Blutdruck?

Manchmal muss man wahrhaftig all die in fünfundzwanzig Berufsjahren erworbene Geduld energisch zusammenraffen. Ein Blutdruckmessgerät soll verkauft werden, was nach ausführlicher Beratung auch gelingt. das Rezept reiche ich zur Genehmigung ein, der Kunde zahlt die Differenz zwischen Kassenzuschuss und Preis des Gerätes, alle sind so mittelglücklich.  Zwei Tage später kommt der Kunde zurück und reklamiert die Gebrauchsanweisung, die das Aufleuchten zweier Symbole im Display verspricht, wo nur eines auftaucht. Das Vertrauen in die Messung ist verständlicherweise komplett zerrüttet, also wird der Kauf rückgängig gemacht, der Kostenübernahmeantrag auch, das Gerät zum Umtausch beim Hersteller angemeldet. Doch dann lässt mir die Sache keine Ruhe und ich mache mich schlau: Das zweite Symbol soll gar nicht auftauchen, erst im schrecklichen Falle einer erkannten Arrhythmie. Aha. Kunde informiert, „Ja dann könnte ich ja doch….“. Neuer Kassenvorgang, neue Genehmigung, keine Retoure an Hersteller und ein zusätzliches Netzteil mit Rabatt, weil doch der Kunde jetzt so viel Lauferei hatte.  Und was ist mit mir?

Bestellungen

Da packt man die Großhandelskiste aus und was fehlt? Na klar, das Wichtigste! Fentanylpflaster sind nicht dabei, obwohl die PKA schwört, dass sie im Auftrag waren. Beim Großhandel ist aber alles andere angekommen, nur nicht die BTM Bestellung. „Hä?“ fragt sich der ratlose Apotheker, greift seufzend zum Telefon,  wirft sich dem Kunden verbal zu Füßen, um ihn auf den Abend zu vertrösten und wundert sich mal wieder über einen mysteriösen Vorgang mehr, der uns das Leben vielleicht nicht zur Hölle, aber doch zu einem kleineren Fegefeuer macht.

Montagmorgen

Ja. so geht die Woche doch mal gut los! Zum Zwecke der Zahnpastaherstellung, die sich eine Kundin in den Kopf gesetzt hat, pulverisiere ich im Schweiße meines Angesichtes Salbei und Pfefferminze.  Da können die Pappnasen von Oral B und der unermüdlichen Blendamedforschung aber einpacken, wenn sich die gute Frau freudestrahlend die biologisch einwandfreien und von Fluorid und anderen „bah“-Bestandteilen freie Matsche im Mund hin und herschiebt und anschließend aus den Zahnzwischenräumen kratzt. Des Menschen- und vor allem des Kundenwille bleibt sein Heiligtum…