Home again

Jetzt gibt es wieder Urlaubsgeschichten zu hören! Wer an welchen spektakulären Zielen seine Ferien verbracht hat, wer quasi postwendend unter zu Hilfenahme irgendwie gefärbter Engel wegen Krankheit gleich wieder retour reisen musste und wer es einfach nur irgendwo so richtig schön hatte. Auch von verhinderten Urlaubern ist die Rede, die erst gar nicht losfahren konnten, die einen berufsbedingt, die anderen, weil der hoffnungsvolle Sprössling auf dem Kinderspielplatz die Rutsche nicht hinunter rutschen, sondern surfen wollte und dabei schmerzhaften Schiffbruch erlitt. Komplizierte An- und Abreisepläne der  einzelnen Familienmitglieder galt es zu sortieren und welchen organisatorischen Aufwand es kostete, eine zwanzigköpfige Verwandschaft mit schulpflichtigen Kindern aus verschiedenen Bundesländern zum Zwecke eines runden Geburtstags eine Woche lang an der Ostsee in einem geeigneten Ferienhaus zu versammeln, das mag sich jeder selbst ausmalen…..Ich fahre nächste Woche und mache bis dahin um Rutschen vorsichtshalber einen Bogen!

Sommerferien

Endlich Ferien! Auch wenn man keine schulpflichtigen Kinder hat, merkt man das: Die Kunden kommen später, haben eine Schar gelangweilter oder total überdrehter Kinder im Schlepptau, morgens braucht man mit dem Auto nur halb so lange zur Arbeit. im Supermarkt ist es in der Mittagszeit ganz und gar leer, weil keine obercoolen Oberstufenschüler sich irgendeinen Snack kaufen und am Mittwochnachmittag kommt kein Mensch. Eine Praxis nach der anderen macht Ferien und wir schlagen uns mit tablettenlosen Stammkunden herum, die ratlos vor verschlossener Tür standen. Jetzt ist Zeit für alles, was man im restlichen Jahr nicht schafft! Aber ehrlich – bei dreißig Grad und wenn alle anderen faulenzen? Dann holen wir uns doch lieber ein Eis und machen klitzekleine Ferien in der Apotheke.

Bekleidungsfragen

Der Fortschritt macht nun einmal nicht halt – auch nicht vor Apotheken. Und so sieht man auch in der Gewandung des Apothekers den Zeitenwandel. Ehemals gab es nicht nur ausschließlich den gestärkten weißen Kittel mit gefälligem Stehkrägelchen, nein, es war auch klar, dass derselbe stets bis obenhin geschlossen zu tragen war. Erste Risse in die propere Fassade kamen, als die  flotten jungen Apotheker mit wehendem offenen Kittel durch die Offizin zu sausen begannen. Dann war der Niedergang der stehkragenbewehrten Uniform nicht mehr aufzuhalten und heute, da schlägt man sich neben den elementaren Fragen der Winterbevorratung und der Gestaltung der Sichtwahl auch noch damit herum, was man anzieht im Dienst: Alle das gleiche? Jeder was er will? Weiße Hosen? Farbige Polos? Oder T-Shirts? Und welche Farbe? Fragen über Fragen, und „Probleme“, die früher kein Mensch hatte. Wer es wissen will: Wir wechselten von weißen Hosen mit blauen Oberteilen jetzt zu grasgrünen Shirts, alle gleich, wegen der Corporate Identity. Sehr schick.

Arme Menschen

Klar, es gibt Schlimmeres als Heuschnupfen! Und doch tun sie mir furchtbar leid, diese armen Leute, die von den ersten schönen warmen Tagen des Jahres so rein gar nichts haben, sondern sich mit tränenden Augen nach drinnen verkriechen müssen, wenn sie nicht sogar nach Atem ringen. Das Erwachen der Natur, die ersten Sonnenstrahlen auf der Haut, die Düfte in der lauen Luft – all das können sie nicht genießen, sondern müssen sich eher fürchten. Da ist es doch wirklich ein Glück, dass es die moderne Pharmazie gibt. Also: Rein mit Tabletten, Augentropfen oder Nasenspray und raus an die frische Luft. Und im nächsten Winter wird desensibilisiert, damit das Elend ein Ende hat!

Wenn Doc Morris lacht

Neulich hatte ich da wieder so ein Rezept, das hätte der Kunde mal zu Doc Morris schicken sollen. Da wäre der Doc höchstpersönlich aus seinem Büro gekommen, hätte sich schlapp gelacht und verkündet: „Das schicken wir mal schön wieder zurück!“ . 120 Metoprololkapseln mit 0,5 Milligramm Wirkstoff für ein  am Herzen operiertes Baby. Da lassen sie nämlich alle die Finger von, der Doc, die Europaapoteek und wie sie alle heißen. Wo es nämlich an pharmazeutische Arbeit geht und nicht ans Päckchen packen, wo Verantwortung für ein klitzekleines Leben zu tragen ist, wo man dazu bei der ganzen Unternehmung noch draufzahlt, weil sie nicht kostendeckend ist – ja, da halten sie sich gerne heraus, die Herrschaften an der Rabattfront! Da kann dann die Apotheke vor Ort wieder einspringen, genau wie in der Nacht oder am Wochenende. Das das alles aber nur bei einer gesunden Mischkalkulation funktionieren kann, das übersehen die Sparfüchse gerne mal. Hoffentlich denken sie daran, wenn sie in einigen Jahren  in der Nacht dreißig oder mehr Kilometer durch die Gegend gondeln müssen, um eine Notapotheke aufsuchen zu können. Dann wird das Gejammer nämlich groß sein….

Notfälle

Jetzt mache ich schon seit dreißig Jahren Nachtdienste und kann den pensionierten Apotheker, der gelegentlich bei mir aushilft, nur zu gut verstehen, wenn er sagt: „Alles, aber keinen Nachtdienst!“. So richtig lustig ist es nämlich nicht, wenn nachts um zwanzig nach zwei das Telefon klingelt und eine junge Frau fragt, wie lange wir denn offen hätten. Offen??? Nachts um zwei???  Was für eine Knalltüte. Ich habe natürlich überhaupt nicht offen, bin aber bereit, mich in einem Notfall aus dem Bett klingeln zu lassen. Der Notfall der Knalltüte bestand in Ermangelung eines Nasensprays. Das kann natürlich nicht auf einen menschenwürdigen Zeitpunkt warten! Und vorher auch noch anzurufen – da freut sich der Apotheker, dass er gleich zwei Mal geweckt wird. Ist das nun doof oder rücksichtslos? Oder beides? Zu dieser Ansicht neige ich persönlich….

Verlustanzeige

Ab und zu gehen Kunden verloren. Nicht, weil sie wegziehen oder versterben, nein, einfach so. Und da zerbricht man sich natürlich den Kopf, warum das so ist. Besser: Ich zerbreche mir den Kopf. Was haben wir versäumt, verbockt oder vergessen? Waren wir unfreundlich oder ist unser flotter, lustiger Spruch in den falschen Hals geraten?  Haben wir etwas falsch geliefert oder gar nicht oder zu spät? Wirkten wir inkompetent oder ratlos? Woran kann es liegen, dass der freundliche Herr X , der seit Jahr und Tag seine immer gleichen Tabletten, die wir eigens für ihn an Lager genommen haben,  holt, seit geraumer Zeit nicht mehr erschienen ist? Licht ins Dunkel bringt Frau X, die ein Nasenspray kaufen kommt. Der Mann ist nicht beleidigt oder gekränkt – der Mann ist gesundet! So einfach kann die Welt manchmal sein. Aber hätte er uns nicht Bescheid geben können!

Hochsaison

Wie ich den April liebe! Spannendes Wetter von Regen,Sturm und Hagel bis zu hochsommerlich anmutenden Tagen, an denen man hektisch nach dem Sommerkleidchen vom letzten Jahr sucht. Dazwischen – wie es sich gehört –  frühlingshafte Tage, die man so richtig genießen kann. Und in der Apotheke erst! Da kommen noch grippale Infekte in größerer Anzahl, gleichzeitig beginnt furios die Heuschnupfensaison und die ersten unternehmungslustigen Kunden brechen zu diversen Urlaubsdestinationen auf und benötigen Reiseapotheken. Herrlich! Und so viel besser, als im Hochsommer bei dreißig Grad den Stubenfliegen beim Fliegen zuzuschauen…

Verkehrte Welt

Ich, die ihre komplette Bildung aus den Beiträgen der fantastischen (na ja) Sendung Galileo bezieht, rieb mir verwundert die Augen: Da wurde tatsächlich gezeigt, wie man bei irgendeinem Onlinedoktor nach Beantwortung einiger Fragen mühelos und bequem ein Salbutamolspray ins Haus geschickt bekommt. Das ist ja praktisch! Und die Apotheke vor Ort? Die kennt den Patienten seit Jahren, weiß aus eigener Ansicht, dass er das Spray schon seit geraumer Zeit immer wieder verschrieben bekommt, hat auch schon über die richtige Anwendung gesprochen und wenn der Patient im wahrsten Sinne des Wortes atemlos samstags ohne Spray und ohne Rezept in der Apotheke steht  – ja dann muss sie ihn leider Gottes zum ärztlichen Notdienst nach Gottweisswo schicken. Ist das richtig? Oder hat Galileo mal wieder falsch recherchiert? Ich hoffe ganz stark letzteres!

Gute Vorsätze

Ich wünsche einen lustigen Start ins Jahr! Für mein Teil habe ich nur einen festen Vorsatz und der hat mit den klassischen Neujahrsprojekten wie Abnehmen, Sport treiben und dem Rauchen abgewöhnen nichts zu tun. Ich bin wild entschlossen, das ganze kommende Jahr heiter und gelassen zu verbringen. Die halbe Sendung fehlt – ich bleibe heiter und gelassen. Die höchst erbost vorgebrachte, noch dazu ungerechtfertigte Kundenreklamation – ich bleibe heiter und gelassen. Retaxationen, Preiserhöhungen und Festbeträge – ich bleibe heiter und gelassen. Almased im Drogeriemarkt – ich bleibe heiter und gelassen. Mann, ist das anstrengend! Und wir haben erst Januar! Ich glaube, ich rege mich besser wieder auf….